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Beschwerde betreffend der Lehrstuhlsituation an der LMU München

Ich kann natürlich heu­te nicht wis­sen, wel­ches das endgültige Urteil der Nach­welt über den Wert der Psy­cho­ana­ly­se für Psych­ia­trie, Psy­cho­lo­gie und die Geis­tes­wis­sen­schaf­ten überhaupt sein wird. Aber ich mei­ne, wenn die Pha­se, die wir durch­lebt haben, ein­mal ihren Gesichts­schrei­ber fin­det, wird die­ser zuge­ste­hen müssen, daß das Ver­hal­ten ihrer dama­li­gen Ver­tre­ter nicht rühmlich für die deut­sche Wis­sen­schaft war. Ich bezie­he mich dabei nicht auf die Tat­sa­che der Ableh­nung oder auf die Ent­schie­den­heit mit der sie geschah; bei­des war leicht zu ver­ste­hen, ent­sprach nur der Erwar­tung und konn­te wenigs­tens kei­nen Schat­ten auf den Cha­rak­ter der Geg­ner wer­fen. Aber für das Aus­maß an Hoch­mut und gewis­sen­lo­ser Ver­schmä­hung der Logik, für die Roh­heit und Geschmack­lo­sig­keit der Angrif­fe gibt es kei­ne Entschuldigung.

Sig­mund Freud

Die­ses Zitat soll eine Brücke schla­gen zu unse­rer der­zei­ti­gen Peti­ti­on, wel­che sich auf die Ver­ga­be des Lehr­stuhls für kli­ni­sche Psy­cho­lo­gie und Psy­cho­the­ra­pie bezieht. Psy­cho­ana­ly­ti­sche Bewer­ber mit hoher Qua­li­fi­ka­ti­on wur­den nicht in die enge­re Aus­wahl auf­ge­nom­men. Die gro­ße Reso­nanz, die vie­len Unter­schrif­ten Ihrer­seits, machen deut­lich, dass die­se Situa­ti­on scho­ckie­rend und nicht ange­mes­sen wirkt. Freuds Wor­te „Dreis­tig­keit“, „Roh­heit“ und „Geschmack­lo­sig­keit“ las­sen sich unse­rer Ansicht nach zu gro­ßen Tei­len auf die­se Situa­ti­on übertragen. Eini­ge von Ihnen spra­chen auch die feh­len­de Logik an – wie es sein darf, dass über 90% der kli­ni­schen Lehrstühle von Ver­hal­tens­the­ra­peu­ten besetzt sind.

Wir dan­ken den zahl­rei­chen UnterstützerInnen unse­rer neu­en Peti­ti­on, in der die Lehr­stuhl­neu­be­set­zung an der LMU München the­ma­ti­siert wur­de. Die gro­ße Reso­nanz zeigt, dass unser Anlie­gen vie­le Stu­die­ren­de wie Ana­ly­ti­ker bewegt. Das zu sehen freut uns sehr und wir sind sicher, dass wir gemein­sam die aktu­el­le Schief­la­ge von 42 ver­hal­tens­the­ra­peu­tisch besetz­ten Lehrstühlen gegenüber einem ana­ly­tisch besetz­ten Lehr­stuhl ändern kön­nen. Wel­che Kon­se­quen­zen auch aus unse­rer Peti­ti­on gezo­gen wer­den mögen, wir wer­den uns wei­ter mit Ihnen dafür ein­set­zen, die Psy­cho­ana­ly­se an den Hoch­schu­len in der Leh­re zu inte­grie­ren und hal­ten Sie auf dem Lau­fen­den über die Ent­wick­lun­gen. Erwäh­nen möch­ten wir auch noch, dass wir uns beson­ders über eini­ge Unter­schrif­ten von Ver­hal­tens­the­ra­peu­ten gefreut haben. Dies zeigt uns, dass auch bei Ver­hal­tens­the­ra­peu­ten eine Offen­heit zur Ver­än­de­rung der jet­zi­gen Situa­ti­on besteht.