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Sehen Sie genau hin. Über den Film „Die Unfassbaren“ (2013)

Die Unfassbaren (Now You See Me)

Kri­mi

Erschei­nungs­jahr: 2013

Regie: Lou­is Leterrier

Mit Jes­se Eisen­berg, Woo­dy Har­rel­son, Méla­nie Lau­rent, Mor­gan Freeman

Das ist das von Mor­gan Free­man gespro­che­ne Leit­mo­tiv des aktu­el­len Kino­films „Now you see me“ (dt. „Die Unfass­ba­ren“). Und es rich­tet sich auch an sei­ne Zuschau­er. Vier jun­ge, talen­tier­te Magi­er tre­ten in Las Vegas mit einer ein­ma­li­gen Show auf, in der sie mit­tels Tele­por­ta­ti­on eine fran­zö­si­sche Bank aus­rau­ben und das Geld an ihr Publi­kum ver­tei­len. FBI und Inter­pol sind hin­ter ihnen her. Doch ihnen sind die Hän­de gebun­den, solan­ge unklar ist, wie die „vier Rei­ter“ ihre unglaub­li­chen Tricks bewerk­stel­li­gen. Und sie schei­nen allen immer einen Schritt vor­aus. So ent­wi­ckelt sich der Plot mit char­man­tem Grö­ßen­wahn und visu­el­ler Ein­drucks­kraft. Zunächst scheint es, als habe man an den Erfolg von „Ocean’s Ele­ven“ und „Pres­ti­ge“ mit einem gefäl­li­gen Mix aus Zau­ber­show und Ver­fol­gungs­jagd anknüpfen wol­len. Doch auf den zwei­ten Blick ent­puppt sich der Film des fran­zö­si­schen Action­film­re­gis­seurs Lou­is Leter­ri­er als viel­schich­ti­ge Erzäh­lung über Zuschau­en, Ver­ste­hen und Wis­sen – und stellt die für die Psy­cho­lo­gie bedeut­sams­ten Fra­gen in prä­gnan­ter Form. 

Die wah­re Schlüsselfigur ist der von Mor­gan Free­man gespiel­te Thad­de­us Brad­ley. Selbst ein ehe­ma­li­ger Zau­be­rer, ist er dafür berüchtigt, in sei­ner Fern­seh­show die Tricks ande­rer zu enthüllen. Wie ein Jäger ist er hin­ter den „vier Rei­tern“ her, wird unterstützt von ihren Fein­den und getrie­ben vom Wunsch nach gewalt­sa­mer Ent­lar­vung und Demas­kie­rung. Sein Kampf ist der Kampf der auf­klä­re­ri­schen Ver­nunft, und beruht auf der Hoff­nung, dass die Macht der Zau­be­rer, Betrüger und Schar­la­ta­ne in dem Moment schwin­det, wo das Wie ihrer Tricks enthüllt wird. Doch der Film zeigt, wie wenig erfolg­reich die­se Stra­te­gie ist: Brad­ley bleibt, trotz sei­ner Ein­sicht in die Welt der Zau­ber­tricks, immer zurück, gefan­gen in der Rol­le des Kom­men­ta­tors und Erklä­rers von dem, was bereits vor­ge­fal­len ist. Und man kann sogar noch wei­ter gehen und behaup­ten: Auf para­do­xe Wei­se hilft Brad­ley den von ihm ver­folg­ten „vier Rei­tern“ sogar, – wird unbe­ab­sich­tigt ihr Kom­pli­ze in einer gro­ßen Täu­schung. Denn er lenkt von der ent­schei­den­den Fra­ge ab: War­um der gan­ze Zauber?

Der Film bezieht inso­fern Posi­ti­on zu dem psy­cho­lo­gi­schen Grund­kon­flikt von Erklä­ren und Ver­ste­hen, als er zum Schluss bei­des dem Zuschau­er ermög­licht. Das zer­stö­re­ri­sche Erklä­ren, das auch Thad­de­us Brad­ley im Sinn hat­te, erscheint hier jedoch als ein fast unbe­deu­ten­der Teil; zu fas­zi­niert ist der Zuschau­er vom War­um des Spek­ta­kels. Und so stellt sich trotz dem Ende der Täu­schung zum Schluss kei­ne Ent­täu­schung ein – ganz im Gegen­teil, es gelingt ein freund­li­cher Blick auf die Welt, in der auch ohne Tricks so eini­ges mög­lich ist.